Meine Website "Utes Welli-Revier" wird in nächster Zeit ausführlich überarbeitet und abgeschlossen.

Tierarztbesuch

29.01.2017 16:01:11

 

Wer Wellensittichhalter(in) ist oder - noch besser - wer es erst  werden möchte, sollte sich auch rechtzeitig darüber schlau machen, wo es in Wohnortnähe einen vogelkundigen Tierarzt gibt. Warum vogelkundig? Was heißt überhaupt vogelkundig? Tierarzt ist doch Tierarzt, oder nicht???

NEIN!!! Zum Begriff "vogelkundig" muss man nämlich wissen, dass die Vogelheilkunde nur einen geringen Teil des Studiums der Tiermedizin einnimmt und somit nicht jeder Tierarzt unbedingt auch ein "Vogelarzt" ist. Hierzu ist für die Veterinäre eine Zusatzausbildung erforderlich.

     

 

Wann muss ein Welli zum Tierarzt?

Wann ist nun aber bei einer Erkrankung unserer gefiederten Lieblinge der Moment gekommen, mit ihnen zum Tierarzt zu gehen? Generell gilt natürlich: Je früher, desto besser und lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Der richtige und wichtige Zeitpunkt hängt aber auch von der jeweiligen Situation ab. 

1. Sofort:

Der Gang zum Tierarzt ist sofort nötig, wenn der Vogel eine nicht stillebare Blutung hat. In diesem Fall muss zusätzlich sofort ein Druckverband angelegt werden. Blut im Kot oder in Erbrochenem, schwere offene Verletzungen, Gleichgewichtsstörungen, Verbrennungen, schwere Atemnot und Vergiftungen machen ebenfalls einen umgehenden Tierarztbesuch erforderlich. Wenn ein Wellensittich am Boden sitzt und mühsam mit pressenden Bewegungen versucht, Kot oder Eier abzusetzen, und wenn dabei Schwellungen im Bauch- und Kloakenbereich sichtbar sind, liegt je nach Situation Verstopfung oder Legenot vor. Auch hier muss der Tierarzt schnellstmöglich helfen. Überreaktion auf äußere Reize, Muskelzittern, eine Starre oder ein Koma-Zustand deuten darauf hin, dass der Welli unter einer Gehirnerschütterung, einem Schock oder Krämpfen leidet und ebenfalls sofort zum Tierarzt gebracht werden muss. Lebensbedrohlich kann die Situation für einen Vogel werden, wenn er Fremdkörper verschluckt hat. Deshalb muss auch hier unverzüglich tierärztliche Hilfe her.

2. Am selben Tag:

Nicht sofort aber doch noch am selben Tag muss ein kranker Welli zum Tierarzt gebracht werden, wenn er das Futter verweigert und dabei gleichzeitig unter Durchfall und / oder Atemnot leidet. Mühsames flaches und schnelles Atmen mit oder ohne Husten könnte ein Anzeichen für eine Herz-Lungenerkrankung sein. Begeht ein Wellensittich plötzlich Selbstverstümmelung und / oder hat er tiefere Hautverletzungen, ist das ebenfalls ein schneller Fall für den Tierarzt, um Entzündungen und Infektion zu vermeiden. Eine Unterkühlung, gegen die auch eine Wärmelampe nicht hilft (Hypothermie) führt zu Energieverlust und gehört so schnell wie möglich in die Behandlung des Tierarztes. Das Gleiche gilt für schweren Durchfall, da hier das häufige Absetzen von flüssigem Kot zu schnellem Wasserverlust führt und der Vogel dabei gleichzeitig unter Bauchschmerzen und Krämpfen leidet. Sehen die Augen unseres Vogels plötzlich verändert aus (Augenlider teilweise oder ganz geschlossen, Hornhautwölbung, Lider blau verfärbt), sollten wir ebenfalls noch am Tage der Feststellung dieser Veränderungen tierärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

3. Spätestens am nächsten Tag:

Verweigert ein Welli das Futter oder erbricht er, ohne dass dies durch weitere Krankheitsanzeichen zu erklären wäre, sollte man mit ihm spätestens am folgenden Tag den Tierarzt aufsuchen. Dasselbe gilt bei leichtem Durchfall ohne gleichzeitiges Auftreten von Blut, Bauchschmerzen, Kotdruck oder Krämpfen. Da Wellensittiche im Normalfall wenig trinken, sollte auch beim Beobachten von übermäßigem Trinken ein Tierarzt zu Rate gezogen werden.

     

Wie kommt ein Welli zum Tierarzt?

Bisher habe ich, weil meine 6 Wellis noch nie wirklich schwer krank und vor allem nicht verletzt waren, die Fahrt zum Tierarzt immer per Bus und Bahn durchgeführt, da mein vogelkundiger Tierarzt leider nicht in meinem Wohnort, sondern ca. 30 km entfernt davon seine Praxis hat. Eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist aber erstens nicht über längere Strecken und zweitens ohnehin nicht in jedem Fall angebracht. Für einen Welli, der schwer krank oder gar schwer verletzt ist, könnten der Lärm und die Unruhe, die im Bus oder in der Eisenbahn nun einmal unvermeidlich sind, im geringsten Fall unheimlichen Stress mit sich bringen, im schlimmsten Falle aber auch tödliche Folgen haben.

Wer nicht selbst über einen Führerschein oder ein eigenes Auto verfügt, sollte vielleicht Freunde oder gute Bekannte um Transporthilfe für den kranken Welli bitten oder - was leider erheblich teurer werden kann - ein Taxi nehmen. Im letzteren Falle ist es ratsam, bereits vor Fahrtantritt mit dem Taxiunternehmen genau abzuklären, dass mit dem Taxi ein krankes Tier transportiert werden soll. Auf diese Weise werden böse Überraschungen ausgeschlossen (z. B. eine Ablehnung des Transportes wegen einer Tierhaarallergie des Taxifahrers).

Ein kranker Welli sollte für die Fahrt zum Tierarzt so "verpackt" werden, dass er - je nach Art und Schwere der Erkrankung - möglichst wenig davon mitbekommt. Zumindest sollte die notwendige Reise so wenig Stress wie möglich mit sich bringen, und natürlich darf sich durch die Fahrt selbst das Gesundheitsrisiko des Vogels nicht noch zusätzlich erhöhen.

Ich selbst hatte, wie gesagt, bisher zum Glück noch nie Probleme damit, meine  per Bus oder Bahn zum Tierarzt zu transportieren. Für den Transport benutze ich immer kleine Transportboxen, die in Zoohandlungen erhältlich sind und in die jeweils nur ein Wellensittich hineinpasst. Ich verteile die Transportboxen für meine Wellis jedes Mal auf 2 Einkaufskörbe. Das sieht dann so aus:

(Die obigen Fotos stammen, wie man sieht, noch aus der Zeit vor Januar 2015, als ich noch 6 Wellis hatte.)

Ich ziehe diese Einzel-Transportboxen aus zwei Gründen einem etwas größeren Gemeinschaftskäfig gegenüber vor:

1. Der Tierarzt kann die Wellis aus dieser Box zur Untersuchung leichter herausnehmen, da die Vögel in ihr keine Fluchtmöglichkeiten haben.

2. Bei der tierärztlichen Untersuchung kommt es oft auf die Kotproben der Wellis an, und beim Transport in den Einzelboxen steht zumindest eindeutig fest, welches "Häufchen" von welchem Vogel kommt.

     

 

Was geschieht beim Tierarzt?

Welche Möglichkeiten hat nun überhaupt ein Tierarzt, ein solch kleines Tier wie einen Wellensittich zu untersuchen?

  1. Betrachten: Wie sitzt der Vogel im Käfig? Auf der Stange oder auf dem Boden? Hält er sich mit dem Schnabel am Gitter fest? Wippt er beim Atmen mit dem Schwanz? Sind die Augen geschlossen und sein Gefieder stark aufgeplustert? Nach all diesen Dingen werden wir als Vogelhalter(in) möglicherweise auch vom Tierarzt gefragt werden. Darum ist es gut, hierauf auch selbst zu achten, wenn man aus irgendeinem Grunde das Gefühl hat, dass es dem Welli nicht gut geht.

  2. Abtasten: Durch Abtasten können vergrößerte Nieren oder ein geschwollener Kropf festgestellt oder ausgeschlossen werden. Zum Abtasten muss der Wellensittich eingefangen und mittels Fixiergriff festgehalten werden.

  3. Abhören Mit einem Stethoskop, das ja auch in der Humanmedizin zum Abhorchen bekannt ist, kann auch der Tierarzt die Herztöne kontrollieren den Vogel auf Atemgeräusche überprüfen und auf diesem Wege möglicherweise Erkältungskrankheiten feststellen.

  4. Abstriche: Sie werden mit einem Tupfer durchgeführt. Mittels eines Kropfabstrichs wird ein Welli zum Beispiel auf ein eventuelles Vorhandensein von Megabakterien untersucht. Aber auch Trichomonaden können auf diese Weise festgestellt werden. Für den Welli ist der Kropfabstrich nicht angenehm aber möglicherweise lebensrettend.

  5. Kotproben entnehmen: Auch durch die Untersuchung von Kotproben können Megabakterien festgestellt oder ausgeschlossen werden. Die Kotprobe muss frisch und darf nicht verunreinigt sein.

  6. Röntgenuntersuchung: Sie ist unter Umständen erforderlich beim Verdacht auf Tumore oder Knochenbrüche. In manchen Fällen bekommen die Wellis zum Röntgen ein Beruhigungsmittel.

  7. Temperatur messen: Hierzu wird dem Welli ein Thermometer in die Kloakenöffnung eingeführt.

  8. Überprüfung des Geruchs: Manche Vogelkrankheiten bringen einen veränderten Geruch des Tieres mit sich, zum Beispiel die Infektion mit Trichomonaden.

  9. Reflextest: Zu den Reflexen, die bei einem Vogel getestet werden, gehört der Greifreflex: Der Tierarzt berührt einen Punkt unter dem Wellifuß. Schließt sich dieser als Reaktion hierauf um den Finger des Tierarztes, ist der Greifreflex in Ordnung. Weitere Reflexpunkte gibt es an den Flügeln. Ein weiterer Reflex ist der Pupillenreflex. Mit einer kleinen Taschenlampe leuchtet der Tierarzt dem Welli ins Auge, um etwaige Schädigungen des Gehirns oder des Sehnervs festzustellen oder auszuschließen. Ist keine Schädigung vorhanden, muss sich die Pupille durch das Licht verengen.

  10. Federuntersuchungen: Zum Nachweis mancher Krankheiten, wie zum Beispiel PBFD, ist es notwendig, einem Welli eine Feder frisch auszureißen, um genügend Blut zu bekommen, das im Labor untersucht werden kann.

  11. Blutuntersuchung: Die Blutentnahme erfolgt ganz ähnlich wie beim Menschen. Das Blut wird dem Welli aus der Unterseite des Flügels oder aus der Halsvene entnommen.

Mit allen meinen Wellis war ich schon oft beim Tierarzt. Näheres zu den Krankheitsverläufen meiner jetzigen Wellis könnt ihr auf den Patientenseiten von Lissi, Nico, Tuxi und Joschi nachlesen.

 

 

    


Alle Textinhalte sowie sämtliche Fotos und Videos meiner Homepage sind urheberrechtlich geschützt. Unbefugte Verwendung und / oder Verbreitung werden strafrechtlich verfolgt! Wer Inhalte oder Bilder weiterverwenden möchte, der möge sich bitte per Kontaktformular an mich wenden!!!

Nach oben