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Going-Light-Syndrom / Macrorhabdiose

29.01.2017 16:10:46

 

Bei der Macrorhabdiose handelt es sich um eine ansteckende Pilzinfektion des Verdauungssystems. Bis vor einiger Zeit nannte man diese Krankheit Megabakteriose, weil sie durch sogenannte Megabakterien verursacht wird. Da diese Megabakterien aber - entgegen ihrem Namen - in Wirklichkeit keine "großen Bakterien" sondern Pilze sind, wird von dieser alten Bezeichnung immer mehr Abstand genommen und stattdessen von Macrorhabdose gesprochen. Der wissenschaftliche Name des Pilzes, der die Krankheit verursacht, ist Macrorhabdus ornithogaster. Die Pilze siedeln sich im Verdauungstrakt unserer Wellensittiche an.

Nicht jeder Vogel, der mit dem Pilz infiziert ist, ist automatisch auch krank. Kommt die Krankheit aber zum Ausbruch, wird sie umgangssprachlich als Going-Light-Syndrom (GLS), auf Deutsch vereinfacht "Leichtwerde-Krankheit", bezeichnet. Am Going-Light-Syndrom erkranken Wellensittiche aber auch andere Vögel. Die Krankheit verläuft schubweise und letztendlich tödlich, das heißt, sie gilt bis heute als unheilbar. Während eines Krankheitsschubes wirkt der Vogel echt krank. Zwischen den Schüben gibt es dann aber wieder Phasen, in denen der Eindruck entsteht, das Tier sei vollkommen gesund.

Das Voranschreiten der Krankheit kann lediglich gebremst werden. Hierzu wird ein vogelkundiger Tierarzt dem Welli während eines akuten  Krankheitsschubes ein orangefarbenes Medikament namens Ampho-Moronal verschreiben, das dem Vogel mit einer dünnen Einwegspritze direkt in den Schnabel gegeben werden muss.

 

Das folgende Bild mit Benni zeigt, dass diese Medizingabe nicht ganz einfach ist, weil die Wellis sie natürlich nicht freiwillig oder gar protestfrei akzeptieren. Um dem Vogel die Medizin überhaupt verabreichen zu können, ist es wichtig ihn mit dem sogenannten Fixiergriff festzuhalten, d. h. ihn für einen Moment annähernd bewegungsunfähig zu machen. Das sieht dann ungefähr so aus:

Das Foto habe ich selbst mit einer Hand aufgenommen, während ich Benni mit der anderen Hand festhielt. Das war nicht ganz einfach.

Trotz Fixiergriff kleckert schon mal das eine oder andere Tröpfchen der Medizin vorbei. Orangefarbene Spuren in den Federchen rund um den Schnabel sind die Folge:

Und weil Wellis nach der Einnahme der Medizin meistens auch ihr Köpfchen erst einmal heftig schütteln, bekommt auch schon mal die Tapete das eine oder andere Fleckchen ab. Wie heißt es doch so schön in der Werbung: "Zu Risiken und Nebenwirkungen...". (Tipp-Ex oder ein weißer Edding-Stift hilft gegen die Flecke!)

Zurück zur Krankheit selbst: Wie kann ein(e) Wellensittichhalter(in) möglicherweise die ersten Anzeichen der Erkrankung erkennen? (Die tatsächliche Diagnose kann nur durch einen vogelkundigen Tierarzt erfolgen.)

Zu Beginn der Erkrankung ist der betroffene Wellensittich während eines Krankheitsschubes vermehrt müde. Im fortgeschrittenen Stadium frisst er dann übermäßig viel und verliert dabei dennoch immer mehr an Gewicht, weil sein erkrankter Verdauungstrakt die aufgenommene Nahrung nicht mehr richtig verwerten kann. Die Körnchen werden unverdaut wieder hervorgewürgt oder mit dem Kot ausgeschieden. Letztendlich verhungern die Vögel, obwohl sie scheinbar genug Nahrung aufnehmen.

Die Ernährung von Wellensittichen, die am GLS erkrankt sind, muss völlig umgestellt werden. Zuckerhaltiges Futter ist zum Beispiel absolut tabu, weil Zucker auch für die Pilze eine hervorragende Nahrung wäre. Das Gleiche gilt für Traubenzucker und wegen des Fruchtzuckers auch für Obst. In diesem Zusammenhang ist es für Welli-Halter(innen) wichtig, drei Fremdwörter zu kennen, die auf Zuckergehalt bei Lebensmitteln hinweisen:

Glucose / Glukose ist normaler Zucker.

Fructose / Fruktose ist Fruchtzucker.

Dextrose ist Traubenzucker.

Ins Trinkwasser sollte man dem erkrankten Vogel täglich ein wenig Apfelessig geben. Eine Dosierung von 2,5 ml Apfelessig auf 100 ml Wasser ist hier angebracht. Durch die Säure des Essigs werden die Pilze abgetötet oder zumindest die Bildung weiterer Pilze eingedämmt.

Neben den Besonderheiten bei der Ernährung ist im Falle der Erkrankung am Going-Light-Syndrom vor allem auf unbedingte Hygiene bei der Welli-Haltung zu achten, um nach besten Kräften eine Ansteckung von Vogel zu Vogel zu vermeiden. Kotreste müssen mit größter Sorgfalt aus Käfig oder Voliere entfernt werden, weil durch sie das Going-Light-Syndrom am ehesten übertragen wird. Den Käfig sollte man dann keinesfalls mit Vogelsand oder anderem Einstreumaterial versehen, weil sich daraus die Kotreste nicht entfernen lassen. Besser ist es, für den Käfig- oder Volierenboden Küchenpapier zu verwenden. Käfig, Spielsachen, Sitzgelegenheiten und alle anderen Dinge, womit unsere geflügelten Freunde in Berührung kommen, müssen peinlich sauber gehalten werden.

 

Die Macrorhabdiose ist übrigens keine seltene Krankheit! Laut Aussage meines Tierarztes sind 80 bis 90 % seiner Wellensittich-Patienten "Going-Light"-Fälle! Leider waren bzw. sind auch von mir selbst schon 9 Wellis an dieser Krankheit erkrankt (Stand: Juli 2014).

Patient Nico, 3 Jahre alt. Diagnose des 1. Krankheitsschubs am 11. Oktober 2010. Mehr Details über Nicos Erkrankung sind auf seiner Patientenseite zu lesen. Vorläufig gesund: Oktober 2012.

Patientin Lissi, Diagnose ebenfalls am 11. Oktober 2010. Wie sich Lissis Zustand weiter entwickelte, kann auf ihrer Patientenseite nachgelesen werden. Vorläufig gesund: Oktober 2012.

 Patientin Tuxi ist auch nicht mehr gesund. Sie nimmt zurzeit zweimal täglich Medizin gegen die Krankheit ein.

 

Meine folgenden, inzwischen gestorbenen 7 Wellis starben zwar nicht am Going-Light-Syndrom, waren aber auch daran erkrankt.

Kiwi wurde nur 2 Jahre alt. Ihn erwischte es im August 2009 erstmalig. Er starb aber Anfang Oktober 2009 an einem Tumor. Eine Operation wäre eher gefährlich als hilfreich gewesen.

 Lucki, die den ersten Schub des Going-Light-Syndroms ebenfalls 2008 überstand und Ende August 2009 einen zweiten Krankheitsschub durchmachte. Im September 2009 starb sie im Alter von 5 Jahren. Die direkte Todesursache ist nicht bekannt. Sie fiel plötzlich von der Stange.

Lotti starb am 12.12.2012 im Alter von nur knapp 2 Jahren an einem Tumor, war aber von September 2011 bis Oktober 2012 ebenfalls mit dem Erreger der Macrorhabdiose infiziert.

Putzi machte ihren ersten, sehr schweren Krankheitsschub bereits im zarten Alter von knapp einem halben Jahr durch. Trotzdem wurde sie mit der Krankheit 7 Jahre alt. Putzi starb am 17.07.2014 ganz plötzlich Ein möglicher 3. Krankheitsschub mag dabei eine Rolle gespielt haben.

 Benni. Sein erreichtes Alter ist nicht mir nicht genau bekannt, weil ich ihn von einer anderen Welli-Halterin bekam. Benni starb am 20.01.2015 an einer Tumorerkrankung, aber auch das Going-Light-Syndrom lag bei ihm mindestens seit dem 22. Oktober 2010 vor.

 Tobi starb im Alter von etwa 5 1/2 Jahren am 19.01.2015 an einem bösartigen Tumor, einem Hämangiosarkom. Aber auch er litt außerdem am Going-Light-Syndrom, das bei ihm erstmals am 8. Oktober 2010 diagnostiziert wurde.

 Polli war auch eine Zeitlang von Makrorhabdiose betroffen, war dank tierärztlicher Hilfe aber vorläufig gesund, d. h. gerade soweit wiederhergestellt, dass sie zunächst einmal ohne Medizin hätte weiter leben können. Leider erlitt sie eine Legenot am 30.04.2015. 

 

 

 

 

 

    


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